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Moores Schachtelhalm (Equisetum x moorei) an der Saane (BE)?

Muriel Bendel
Muriel Bendel 01.07.2024

Gestern an der Saane (Gemeinde Kriechenwil BE) zwischen ganz normalem Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale) eine Gruppe von anders aussehenden Schachtelhalm-Sprossen entdeckt – aufgefallen sind v.a. die bleibenden, lang ausgezogenen, schwarzen, glatten Zähne der Blattscheiden (die beim Winter-Schachtelhalm fehlen resp. oft an der Spitze zu kleinen “Pagodenspitzen” zusammengeschoben sind). 

Auf Grund der folgenden Merkmale tippe ich auf Moores Schachtelhalm (Equisetum × moorei), die Hybride zwischen dem Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale) und dem Ästigen Schachtelhalm (Equisetum ramosissimum):

  • Blattscheiden leicht trichterförmig nach oben verbreitert, länger als breit (ohne die Zähne gemessen), etwas heller grün als der restliche Spross, nur bei den untersten Blattscheiden weisslich.
  • Zähne der Blattscheiden v.a. im oberen Teil des Sprosses bleibend; schwarz mit sehr schmalem weissem Rand, lang zugespitzt, auf der Aussenseite glatt (ohne Stachelchen).
  • Nur die untersten Blattscheiden mit einem basalen schwarzen Ring.
  • Sprosse unverzweigt, bis über 90 cm hoch.
  • Durchmesser der Sprosse (3,5–)4–4,5 mm.


Den Rauzähnigen Schachtelhalm (Equisetum × trachyodon; E. hyemale × E. variegatum) schliesse ich wegen den fehlenden, namensgebenden Zähnchen auf den Blattscheiden aus.

Der Südliche Schachtelhalm (Equisetum × meridionale; E. ramosissimum × E. variegatum) wäre kleiner (20–50 cm hoch), hätte dünnere Sprosse (ca. 3 mm dick) und die weissen Ränder der Blattscheidenzähne wären breiter. 

Es gibt aber noch weitere Hybriden (cf. Lubienski 2011; https://www.zobodat.at/pdf/Jahrb-Bochumer-Bot-Ver_2_0068-0086.pdf)... deshalb bin ich froh um einen kritischen Blick auf diese kurligen Schachtelhalm-Sprosse und ggf. um Ergänzungen/Veto. 

Herzlichen Dank :-)
Lieber Gruss, Muriel

Standort: Saane-Ufer bei Kriechenwil (BE), 30.06.2024 (Muriel Bendel)
Sprosse unverzweigt, bis zu 90 cm hoch. Kriechenwil (BE), 30.06.2024 (Muriel Bendel)
Blattscheiden länger als breit. Kriechenwil (BE), 30.06.2024 (Muriel Bendel)
Blattscheiden mit dunklen, glatten, schmal zulaufenden Zähnen. Kriechenwil (BE), 30.06.2024 (Muriel Bendel)
Zähne v.a. im unteren Teil der Sprosse abfallend, einen knorpeligen schwarzen Rand hinterlassend. Kriechenwil (BE), 30.06.2024 (Muriel Bendel)
Nur bei den untersten Blattscheiden findet sich am Grund ein schwarzer Ring. Kriechenwil (BE), 30.06.2024 (Muriel Bendel)
Sprossinternodium. 30.06.2024 (Muriel Bendel)
Detail Sprossinternodium; mit +- waagrecht verlaufenden hellen "Spangen" oder "Bändern". 30.6.2024 (Muriel Bendel)

4 Réponses

Also, ich kenne die Hybride nicht in der Natur und kann nur mit Lubienski gehen, aber ja, ich würde auch auf x moorei tippen. Ideal wäre es natürlich, wenn man Sporen hätte, die müssten fehlgebildet sein bei einer Hybride.

Hast du Herbarbelege gesammelt? Ist x moorei eigentlich schon aus der Schweiz bekannt?

Merci, Michael :-)

2x ja: Specimen gesammelt und Equisetum × moorei ist aus der CH bekannt (an einem der bekannten Standorte wurden diese Aufnahmen gemacht). 

Die Sporen scheinen abortiert zu sein: Bei einer geschlossenen, aufgeschnittenen Sporangienähre entstand kein weiss-grünes Gewusel, wie ich es bei einer guten Art erwarten würde, sondern es passierte schlicht nix (die helle Sporenmasse blieb wo sie war und krümelte nicht mal raus - Foto unten).

Aufgeschnittene Sporangienähre. 01.07.2024 (Muriel Bendel)

Oh ja, da sieht man die abortierten Sporen und die verkümmerten Hapteren. Coole Sache!

Ein Nachtrag zur Farbe der Blattscheiden:

Bei frischen Pflanzen sind die Blattscheiden vor allem im oberen Teil hellgrün und damit etwas heller als die Sprossinternodien, nur die untersten Blattscheiden sind weisslich. 

Beim Trocknen werden aber offensichtlich alle Blattscheiden weisslich und an der Basis sogar dunkel; unten zwei Fotos der beiden Sprosse, die ich vor zwei Tagen mitgenommen habe.

D.h. Herbar-Belege sollten so aussehen wie meine beiden mittlerweile klipperdürren Sprosse (und sich damit deutlich von frischem Material unterscheiden). 

Beim Trocknen werden die hellgrünen Blattscheiden weisslich und verfärben sich an der Basis dunkel. 02.07.2024 (Muriel Bendel)
Trockene und verfärbte Blattscheide. 02.07.2024 (Muriel Bendel)