Jedes Jahr freue ich mich an den im Frühling auffälligen, gelb-grünlich blühenden Spitzahorne, vereinzelt erscheinend am sonst noch dunklen Jurasüdhang bei Grenchen - Biel.
Dieses Jahr habe ich das Gefühl einer sehr lang andauernden Blütezeit dieses Baumes, möglicherweise hemmen die anhaltend eher tiefen Temperaturen das Blattwachstum?
Vielen Dank für eure Beobachtungen und Hinweise,
mit besten Grüssen
Urs-Peter
2 Antworten
Hallo Urs-Peter
Es geht mir genauso wie Dir! Auch ich freue mich immer über das erste zarte Lindengrün in den Buchenwäldern des Jurasüdfuss. Da ich unmittelbar am Berg in Biel Bözingen arbeite, kann ich das ganze auch aus der Nähe beobachten. Dieses Jahr sah man die ersten Blüten von A.p. schon um den 20.März und dann in Vollblüte knapp eine Woche später (siehe mein Foto vom 29.3.). Meiner Erfahrung gemäss sollten wir dann jetzt eigentlich schon viele Blätter von Fagus sylvatica sehen. Statt dessen haben sich nur die nun bronzefarbeigen Hagebuchen dazugesellt und a.p. dominiert den Eindruck immer noch. Ich denke es liegt an den zu tiefen Temperaturen, dass wir noch nicht weiter sind. Bisher gab es ja im April nur einen Tag über der langjährigen Durchschnittstemperatur.
Während ich früher eher empört auf solche Effekte reagiert habe (was haben wir Menschen denn jetzt schon wieder durcheinander gebracht!), nehme ich sie nun eher interessiert wahr. Es ist einfach jedes Jahr ein bisschen anders, das kann man nur wahrnehmen und leben damit (wenn auch klarer weise der Mensch mit seinem Tun hier Einfluss nimmt).
Die kalten und nassen Frühlingsverläufe helfen auch vielen Organismen. So können sich z.B. die Fruchtkörper der Gattung Morchella ganz anders entwickeln, wenn es nicht trocken und heiss ist. Anzahl der Fruchtkörper und Entwicklung derselben ist viel besser beim momentanen Wetter, als bei Trockenheit. Dafür kommen dann aber all die zurückgebundenen Arten alle auf einmal. So konnte ich die letzten beiden Tage alle wichtigen Morchella Arten auf einmal beobachten und dass sowohl schattseits wie sonnseits, während bei trockenerem Wetter alles schön gestaffelt kommt.
So wird es wohl nun auch bei den Bäumen weitergehen: wenn die Wärme kommt treibt dann alles auf einmal, sogar Fraxinus excelsior, welche immer mit Abstand die letzte ist, wird plötzlich mit allem zusammen kommen…habe heute schon weit fortgeschrittene Knospen gesichtet.
Und dann habe ich heute auch noch den Jurasüdfuss-Klassiker für solche Klimaverläufe gesichtet: Orchis morio am Aufblühen in noch gut intakten Blättern von Crocus albiflorus auf 850 müm. Dass es O.morio ist, ist noch kaum seriös bestimmbar, aber durch Standortkenntnis und jahrelange Erfahrung treffsicher abzuschätzen.
In diesem Sinne wünsche ich uns einen spannenden Vegetationsverlauf und freue mich über Inputs wie Deinen zu phänologischen Aspekten der Botanik!
Herzliche Grüsse
Lorenz
Lieber Lorenz
Deine Ausführungen mit den bestätigenden Beobachtungen haben mich sehr gefreut.
Seit meiner Pensionierung 2020 bin ich sehr oft auf den botanisch und entomologisch reichhaltigen Trockenwiesen von Vauffelin unterwegs und kann so die saisonalen Blütezeiten der Pflanzen wie die Flugzeiten der Tagfalter immer besser wahrnehmen.
Liebe Grüsse
Urs-Peter