Ich war Ende Juli/Anfang August eine Woche im Gebiet der Unteren Havel in Deutschland unterwegs. Eine super spannende Flusslandschaft, die auch botanisch sehr reichhaltig ist. Hier ein paar botanische Impressionen mit vielen Arten, die in der Schweiz entweder gar nicht vorkommen oder dann sehr selten sind.
Angefangen mit der osteuropäischen Röhricht-Brennessel (Urtica kioviensis), die in Deutschland fast nur entlang der Havel zu finden ist.
Gebiet der Unteren Havel in Deutschland

Jonas Brännhage 18.08.2024
29 Antworten
Sium latifolium (in der Schweiz wohl ausgestorben, aber mittlerweile wieder angesiedelt?!) ist erstaunlich verbreitet entlang der Havel und einer der häufigsten Doldenblütler im Gebiet.
Veronica longifolia gehört zu den sogenannten Stromtalarten in Deutschland und ist hauptsächlich entlang der grösseren Flüsse zu finden. Dort besiedelt sie sogenannte Brenndoldenwiesen (benannt nach einer charakteristischen Apiaceae), welche im Frühjahr häufig überschwemmt sind und im Sommer dann jedoch recht trocken sein können (wechselfeuchte Arten).
Der Schwimmfarn - Salvinia natans.
Oenanthe fistulosa mag's richtig feucht und wächst gerne entlang von Gräben. Habe ich in der Schweiz noch nie gesehen….
Carex vulpina. Bei uns viel seltener als die ähnliche C. otrubae
Leonurus marrubiastrum hier an der Elbe bei Sandau
Das Kleine Flohkraut Pulicaria vulgaris ist entlang der Elbe und Havel noch erfreulich oft anzutreffen (und oft in grossen Beständen). Teils findet man es sogar ruderal entlang feuchter Wegränder.
Mentha pulegium, die Polei-Minze, kenne ich bislang nicht aus der Schweiz. Die Kelchröhre wird durch einen Haarring verschlossen und die Blätter der Art sind auffallend klein.
Schlammling (Limosella aquatica) an einem sandigen Ufer entlang der Elbe
Spergularia echinosperma (Samenfoto!) kommt in Deutschland nur entlang der Elbe vor
Corrigiola litoralis ist häufig zu finden an der Elbe
Stellaria palustris (oft blaugrün und mit grossen Blüten, in Feuchtwiesen) steht graminea nahe. Sie soll früher im Berner Seeland vorgekommen sein?!
Viola stagnina/persicifolia ist erstaunlich regelmässig anzutreffen……
Myosotis laxa/cespitosa
Cardamine parviflora ähnelt C. hirsuta (unterscheidet sich aber unter anderem durch die schmalen, keilförmigen Grundblätter) und ist extrem viel seltener. Sie besiedelt lückige Feuchtwiesen und ist sehr schwierig aufzuspüren (geringe Grösse).
Oenanthe aquatica ist an der Havel einer der häufigsten Doldenblütler.
Auch häufig ist Sagittaria sagittifolia, das Pfeilkraut
Die Brenndolde (Cnidium dubium) ist die namensgebende Art für die dortigen Brenndoldenwiesen (wechselfeuchte Wiesen entlang der grossen Flüsse, mit osteuropäischer Verbreitung). Leider war sie nur gelegentlich anzutreffen..
Chaerophyllum bulbosum sieht man hin und wieder an Wegrändern (in der Schweiz höchstens mal verwildert)
Die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium) ist wie der Name andeutet ein Sandspezialist. Sandböden fehlen in der Schweiz leider halt praktisch völlig….
Scutellaria hastifolia, das Spiessblättrige Helmkraut, wollte ich schon lange mal sehen….
Das Silbergras - Corynephorus canescens - ist auch ein richtiger Sandspezialist. Es gibt tatsächlich einen alten Herbarbeleg aus Schaffhausen (die Art muss also mal in der Schweiz vorgekommen sein). Bei InfoFlora wurde sie aber dennoch nicht aufgenommen..
Juncus atratus ist auch in Deutschland sehr selten (hier ein Zufallsfund bei Havelberg). Man erkennt sie an den kantigen Blättern (sonst schaut sie aus wie eine grosse, aufrechte articulatus).
Anthemis ruthenica, Russische Hundskamille. Auch auf Sand
Aira praecox (mit zusammengezogenem Blütenstand im Gegensatz zur in der Schweiz vorkommenden caryophyllea)
Die Schwarzbeerige Zaunrübe - Bryonia alba klettert an einem Thuja-Strauch. Bei uns praktisch ausgestorben, an mangelndem Thuja kann's aber kaum liegen…
Die Kaschuben-Wicke (Vicia cassubica) ähnelt etwas der Vogel-Wicke und kommt ebenfalls nicht vor bei uns.
Zufallsfund von Lythrum hyssopifolia in einem Acker nahe der Elbe. Es hatte wohl mehrere Tausend Exemplare….
Herzlichen Dank für den umfassenden Bericht. Scheint ein spannender Lebensraum zu sein, diese Brenndoldenwiese.